Weniger Geschmacksknospen, andere Prioritäten
Katzen wirken bei ihrem Futter oft wählerisch, doch ihr Geschmackssinn ist tatsächlich deutlich weniger ausgeprägt als der des Menschen. Während Menschen über mehr als 9.000 Geschmacksknospen verfügen, besitzen Katzen nur etwa 470 bis 500. Deshalb nehmen unsere Samtpfoten Futter ganz anders wahr als wir.
Während Menschen eine große Vielfalt an Geschmacksrichtungen unterscheiden können, ist der Geschmackssinn von Katzen darauf ausgelegt, Nährstoffe zu erkennen – insbesondere solche aus tierischen Lebensmitteln. So können sie Nahrung erkennen, die ihren Bedürfnissen als Fleischfresser entspricht.
Sind die Stacheln auf der Katzenzunge Geschmacksknospen?
Wenn Deine Katze Dich schon einmal abgeschleckt hat, weißt Du, wie überraschend rau sich ihre Zunge anfühlt. Ein Großteil der Zungenoberfläche ist mit winzigen, nach hinten gerichteten Stacheln bedeckt, den sogenannten Filiformpapillen. Diese Strukturen sind beim Fressen und bei der Fellpflege äußerst hilfreich, enthalten jedoch keine Geschmacksknospen. Die Geschmacksknospen einer Katze befinden sich an der Zungenspitze, an den Seiten und im hinteren Bereich der Zunge – dort, wo sich nur wenige oder gar keine dieser Stacheln befinden.
Wie geschaffen für Fleisch … und Thunfisch!
Eine Geschmacksrichtung können Katzen besonders gut wahrnehmen: Umami – den herzhaften Geschmack von Fleisch und anderen eiweißreichen Lebensmitteln. Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass nicht alle Umami-Aromen für unsere Samtpfoten gleich sind. Die Umami-Rezeptoren von Katzen reagieren besonders empfindlich auf Histidin und Inosin – zwei Stoffe, die reichlich in … Thunfisch vorkommen! Das könnte erklären, warum so viele Katzen Thunfisch im Vergleich zu anderen Lebensmitteln einfach unwiderstehlich finden.
Warum Katzen nichts Süßes schmecken
Im Gegensatz zu Menschen können Katzen keine Süße schmecken. Unseren Samtpfoten fehlt eines der beiden Proteine, die erforderlich sind, damit der Süßrezeptor auf den Geschmacksknospen funktioniert. Im Laufe ihrer Evolution als reine Fleischfresser wurde das Gen zur Wahrnehmung süßer Geschmacksrichtungen (Tas1r2) inaktiviert. Deshalb schmecken zuckerhaltige Lebensmittel für Katzen einfach nicht so verlockend wie für uns. Während wir Obst, Süßigkeiten oder Desserts genießen, haben Katzen aus geschmacklicher Sicht kaum einen Grund, sich für solche Lebensmittel zu interessieren.
Das perfekte Geschmackssystem für Fleischfresser
Obwohl Katzen deutlich weniger Geschmacksknospen als Menschen besitzen, ist ihr Geschmackssystem perfekt auf ihre Lebensweise abgestimmt. Katzen sind obligate Fleischfresser – also reine Fleischfresser. Das bedeutet, dass sie Fleisch zum Überleben benötigen. Anstatt auf eine möglichst große Vielfalt an Geschmacksrichtungen ausgelegt zu sein, sind ihre Geschmacksknospen darauf spezialisiert, eiweißreiche Nahrung zu erkennen, die sie mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt.